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Brand von leerstehender ehemaliger Kaufmannsvilla verursacht Großeinsatz am Wochenende

Um 16:10 Uhr wurde die Feuerwehr der Stadt Erwitte zu einem Brandereignis in einer leerstehenden ehemaligen Kaufmannsvilla an der Lippstädter Straße gerufen. Gegen 16:20 Uhr wurde der Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Stadt Erwitte durch die Leitung der Feuerwehr über die Lage informiert. Nach erfolgtem Lagebericht begaben sich die Rufbereitschaft des Ordnungsamts, die Rufbereitschaft des Gebäudebetriebs und der Bürgermeister zur Einsatzstelle.

Feuerwehr und Rettungsdienst waren zu diesem Zeitpunkt mit rund 90 Kräften im Einsatz. Die Brandbekämpfung erfolgte von West- und Ostseite, zur Sicherheit der eingesetzten Kräfte und mit Blick auf die kritische Deckenstruktur des Objekts war ein Innenangriff nicht möglich. „Ein Feuer hatte sich zu diesem Zeitpunkt über den mittleren Bereich des Erd- und Obergeschosses des Objekts ausgebreitet. Die östliche Erwitter Innenstadt war wegen des vorherrschenden Windes von Brandrauch belastet.“, berichtet der Einsatzleiter der Feuerwehr Erwitte, Thomas Steinkamp.

Neben der Brandbekämpfung erfolgte die Sperrung von WLE-Trasse sowie des Teilabschnitts der Bundesstraße 55 vor dem Objekt, die Bevölkerung wurde vor dem Brandrauch durch die Warn-App NINA und Lautsprecher-Durchsagen gewarnt und es wurde die Einrichtung einer Versorgungsstelle für Anwohner und Einsatzkräfte veranlasst und hierzu die DLRG Erwitte mit 8 Kräften alarmiert. Weiterhin wurde die Kreisfeuerwehrzentrale mit einem Wechselladerfahrzeug und Abrollbehälter-Atemschutz hinzugezogen. Für die Sicherstellung des Grundschutzes wurde das Feuerwehr-Gerätehaus in Erwitte u.a. durch Kräfte aus dem Kirchspiel Horn besetzt, welche auch zu einem parallelen Verkehrsunfall auf der L856 (ehemalige B1) auf Höhe Berenbrock ausrücken mussten.

Insbesondere die strohgedämmten Decken und die Holzstrukturen des Dachstuhls des historischen Gebäudes machten eine vollständige Löschung des Feuers nicht möglich. Daher wurde gegen 18 Uhr ein Fachunternehmen durch die Feuerwehr hinzugezogen, um den Dachstuhl und die Decken mittels Spezialbagger zu eröffnen, mittels Wärmebildkamera zu untersuchen und die Brandherde abzulöschen, da durch den Westwind immer wieder Feuerstellen aufflammten.

Nach eingehender Beratung zwischen Feuerwehr, Fachunternehmen, Vertretern der Stadt sowie der zwischenzeitlich hinzugekommenen Eigentümervertreterin, wurde entschieden die Eingriffe in das Gebäude erst nach Sicherungsmaßnahmen des nur wenigen Meter entfernten Nachbargebäudes sowie der Bahnstrecke erfolgen kann. Auf Grund der Einsturzgefahr und des vorhandenen Trümmerschattens, kann diese Maßnahme daher erst am Sonntag mit entsprechendem Spezialgerät erfolgen. Eine im Nachbargebäude ansässige Jugendwohngruppe mit neuen Kindern und Jugendlichen wurde daher evakuiert. Der benachbarte Weg, der auch der Anbindung des Schulzentrums dient, wurde gesperrt. Eine Brandwache überwachte die gesamte Nacht das Objekt und löschte immer wieder Feuerstellen ab.

Die Kriminalpolizei hat noch am Abend das Gebäude in Augenschein genommen. Die Sperrung der Bundesstraße und die Warnung der Bevölkerung konnte noch am späten Samstag Abend zurückgenommen werden. Die Auswirkungen auf die WLE-Strecke werden am Sonntag weiter beurteilt.

Auch Bürgermeister Henneböhl hat sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht und die Unterstützung durch städtische Dienststellen koordiniert. „Ich danke allen Einsatzkräften für das beherzte Eingreifen und ihrem hochprofessionellen Einsatz. Ich bin froh, dass nach aktuellem Erkenntnisstand kein Personenschaden entstanden ist.“, so Bürgermeister Henneböhl. Gleichzeitig betont er, dass mit dem Gebäude ein sehr geschichtsträchtiger Ort ein Opfer des Feuers wurde und bedauert den entstandenen Schaden am Denkmal durch das Feuer sowie die erforderlichen Lösch- und Sicherungsmaßnahmen. „Ein Gebäude mit Denkmaleigenschaft und langer Historie ist massivst durch das Ereignis in Mitleidenschaft gezogen worden. Insbesondere ist dies bedauerlich, da man in den letzten Monaten mit möglichen Interessenten für das Objekt, Fördergebern sowie dem Eigentümer in konstruktiven Gesprächen über die Entwicklung des Hauses stand.“, erläutert Ralf Linnebur als zuständiger Fachbereichsleiter und Leiter des städtischen Stabs für außergewöhnliche Ereignisse. Feuerwehr und auch die Stadt haben bei allen ergriffenen Maßnahmen immer die Historie des Objekts im Blick gehabt. Die Sicherheit von Leib und Leben sowie Gesundheit, insbesondere der Nachbarschaft (u.a. neunköpfige Jugendwohngruppe), der vom Brandrauch betroffenen Bevölkerung sowie der eingesetzten Kräfte der Feuerwehr haben allerdings oberste Priorität. Ebenso stand der Schutz des Eigentums in direkter Nachbarschaft und der kritischen Verkehrsinfrastruktur (WLE-Trasse, Schulweg und Bundesstraße) im Fokus der Betrachtungen und Abwägungen der Maßnahmen zur Gefahrenabwehr.

Am Sonntag erfolgte direkt am Morgen eine erneute Lagebesprechung unter Hinzuziehung der Leitung der Feuerwehr, Vertretern der Stadt Erwitte, der Polizei, der WLE und der beauftragten Fachfirmen für die Unterstützung der Nachlösch- und Sicherungsmaßnahmen. Auch Vertreter des Eigentümers wurden hinzugezogen.

Nach dem Ende der noch am Sonntag erfolgenden Gefahrenabwehrmaßnahmen, der Sicherung des Geländes und der Übergabe an den Eigentümer, wird man zwischen Stadt, dem westfälischen Amt für Denkmalpflege sowie den Eigentümervertretern das weitere Vorgehen bzgl. der massiv geschädigten Überreste des Brandobjektes in den kommenden Wochen besprechen. Für etwaigen Informationen zu Ermittlungen der Polizei, z.B. zur möglichen Brandursache, verweist die Stadt auf die Dienststellen der Polizei (https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/65855/5673975).